|
Perspektiven für die Fabrik der Zukunft |
|
BESCHAFFUNG UND PRODUKTION DER ZUKUNFT |
| Dieser Teil des Buchs behandelt ausgehend
von der Beschaffung über die Produktionsplanung und -steuerung und
die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur bis hin zu einer Wiederverwertung
der Produktionsrückstände und gebrauchten Produkte die eigentlichen
operativen Kernfunktionen eines Industriebetriebs, für deren Vollzug
die in den letzten Kapiteln vorgestellten Konzeptionen und Instrumente
den Rahmen bilden.
Zu Beginn Arnold (Kapitel 15), welche neuen Möglichkeiten sich in der betrieblichen Beschaffung durch den Einsatz der neuen IuK-Technologien ergeben. Im Mittelpunkt steht dabei die Nutzung elektronischer Märkte, die sowohl eine Reduzierung der Transaktionskosten als auch eine Steigerung des Transaktionsnutzens bewirken können. Dadurch ergeben sich eine Vielzahl von Veränderungen für die Beziehungen zwischen Lieferanten und ihren industriellen Abnehmern, die eine „elektronische Revolution" in der Beschaffung begründen können. Im gleichen Themenkreis ist der Beitrag
von Reese/Schätzer/Schröder (Kapitel 16)
angesiedelt, der aus einer ökonomischen Perspektive die vertragliche
Gestaltung von Just-in-Time-Partnerschaften behandelt. Solche Partnerschaften
sind typische Folge der von Arnold beschriebenen neuen Lieferanten-Produzenten-Beziehungen.
Die Autoren zeigen, daß es notwendig ist, sich von den engen klassischen
Vertrags- und Kostenbegriffen zu lösen und neue Formen der vertraglichen
Absicherung zu finden.
Auch Schneider/Schlüter (Kapitel 18) entwerfen ein modernes PPS-System, das den neuen Anforderungen besser gerecht werden soll als die klassischen Planungsansätze auf Basis der MRP-II-Logik. Der Beitrag stellt dabei heterogene Produktionsstrukturen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in den Vordergrund, wie sie gerade für die deutsche fertigende Industrie typisch sind. Das von Schneider/Schlüter vorgestellte PPS-Konzept besitzt drei Funktionsmodule: die Grobplanung, die Feinplanung und Steuerung sowie die Koordination, deren Aufgaben im einzelnen skizziert werden. Nach diesen eher konzeptionellen Beiträgen werfen Fandel/Francois/Gubitz in Kapitel 19 einen Blick in die betriebliche Realität. Sie zeigen anhand einer Software-Marktanalyse, die fast 200 PPS- und integrierte betriebliche Softwaresysteme erfaßt, welche Planungsmethoden bei der Durchlaufterminierung und beim Kapazitätsabgleich in PPS-Systemen zum Einsatz gelangen können bzw. dort implementiert sind. Ziel des Beitrags ist es auch, dem Anwender in der Praxis eine Unterstützung zur Auswahl eines entsprechenden PPS-Systems zu bieten. Hier stehen die optimale Erfüllung des Anforderungsprofils bzw. die kritische Überprüfung des Leistungsspektrums der Software für das Unternehmen im Vordergrund. Dazu ist es aber notwendig, zunächst das verfügbare Marktpotential zu kennen, um alle Zeit-, Kosten- und Qualitätsvorteile nutzen zu können, die bei einer optimalen Auswahl der betrieblichen Software erzielt werden können. Diese Entscheidungsprozesse nehmen in Unternehmen einen immer wichtigeren Stellenwert ein – auf die Dominanz der Software über die Unternehmensorganisation wurde ja bereits mehrfach hingewiesen (siehe vor allem Kapitel 3). Deshalb soll eine genauere Betrachtung der Beschaffungs- und Implementierungsprozesse betriebswirtschaftlicher Standardanwendungssoftware – die heute ja in vielen Unternehmen den Rahmen der Einführung eines PPS-Systems bildet – in der betrieblichen Praxis Anhaltspunkte für eine Verbesserung dieser Prozesse bieten. Wie Meyer/Diehl in Kapitel 20 zeigen, stehen Unternehmen hierbei vor einer komplexen Aufgabe, die weit über technische Informatikprobleme hinausgeht und mehr verlangt als eine klassische Kosten-Nutzen-Analyse. Ihr Beitrag identifiziert etliche Risikofaktoren bei der Beschaffung von Standardanwendungssoftware und versucht eine Begründung der entdeckten Probleme. Hierbei sind vor allem die einseitig hohe Faktorspezifität des Anwenders und die lange Implementierungsdauer von großer Bedeutung. Die Einschaltung eines kompetenten Implementierungsdienstleisters als Systemintegrator kann wichtige Verbesserungspotentiale bieten, wenn bestimmte Gestaltungsoptionen beachtet werden. Ein ganz anderes Themenfeld behandelt dagegen Bloech in seinem Beitrag (Kapitel 21). Doch auch sein Ziel ist letztendlich, Hilfestellung bei Auswahl und Einsatz bestimmter Softwaresysteme zu geben, namentlich von Planspielen und Unternehmenssimulationen, die zur Ausbildung der Mitarbeiter und Weiterentwicklung des Wissens in der Produktion und der damit verknüpften Logistik dienen. Planspiele wollen die betriebliche Realität begreifbar machen, indem sie eine wesentliche Reduktion der Komplexität vornehmen und trotzdem die wesentlichen Teilkomplexe abbilden. Der Beitrag schildert vor diesem Hintergrund einige solcher Modelle für die Produktionsplanung mit unterschiedlicher Komplexität und Struktur, die in den letzten Jahren erfolgreich eingesetzt wurden. Die Darstellung konzentriert sich dabei auf die Bestimmung zielgerechter Produktionsprogramme, die Bereitstellungsplanung, die Produktionslogistik und die Kapazitätsplanung. Der Beitrag von Franck/Bagschik (Kapitel
22) schließt nicht nur diesen Teil des Buches ab, sondern auch
gleichsam den mit der Beschaffung der Komponenten und Teile begonnenen
Kreis betrieblicher Wertschöpfung. Remanufacturing, d.h. die Aufarbeitung,
Reparatur, Instandsetzung und Modernisierung von Produkten und Komponenten
mit dem Ziel ihrer erneuten Nutzung, wird z.Zt. vor allem vor dem Hintergrund
ökologischer Fragestellungen intensiv diskutiert. Der Beitrag zeigt
ausgehend von einer Analyse der Ursachen für eine fehlende Nutzung
der unterschiedlichen Remanufacturingoptionen unternehmerische Handlungsmöglichkeiten
zu deren Überwindung auf. Untersucht werden insbesondere Investitionen
in Informations- und Glaubwürdigkeitssurrogate, die vertragliche Reallokation
von Risiken sowie die Vorwärtsintegration von Herstellern in das sogenannte
Flottenmanagement.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|