Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Einführung in Teil C: 
NETZWERKE UND VIRTUELLE STRUKTUREN IN DER PRODUKTION
Während die vorangegangenen Beiträge eine hohe Affinität zu den strategischen Aspekten der „Virtualisierung„ aus einer prozeßübergreifenden Sicht des Gesamtunternehmens aufwiesen, argumentieren die folgenden Beiträge aus einer eher taktischen und vor allem auf die Produktion fokussierten Perspektive. Diese rückt so stärker in den Mittelpunkt der Betrachtungen, bevor dann in Teil D die Wirkungen der IuK-Technologien auf den eigentlichen Vollzug der physischen Leistungserstellung diskutiert werden.

Der Beitrag von Bellmann (Kapitel 11) bildet dabei gleichsam den „link„ zwischen den oben genannten Ebenen. Er thematisiert die Dependenzen zwischen der Wettbewerbsstrategie eines Unternehmens und den daraus resultierenden Wirkungen auf die Geschäftsprozesse und schließlich die Organisationsstruktur. Darüber hinaus werden kritisch die neuen Anforderungen diskutiert, welche die spezifische Organisationsform „Produktionsnetzwerk„ an die Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten der beteiligten Akteure stellt. 

Diese überragende Bedeutung des Faktors Mensch für den Erfolg virtueller Unternehmen wird auch von Schuh und Friedli (Kapitel 12) betont. In ihrem Beitrag beschreiben sie das wohl prominenteste Beispiel „real-existierender„ virtueller Unternehmen, die Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee. Ausgehend von der Darstellung grundlegender theoretischer Zusammenhänge geht der Beitrag auf die praktische Implementierung dieser Konzepte ein und stellt die Entwicklungspotentiale der Virtuellen Fabrik dar.
Die vielfältigen Koordinationsanforderungen in derartigen Produktionsnetzwerken und die Bedeutung moderner IuK-Technologien ihrer Bewältigung werden anschließend in Kapitel 13 von Steven diskutiert, die sich neben Fragestellungen der Führung und Kontrolle von Produktionsnetzwerken vor allem auf die Produktionsplanung und -steuerung solcher Verbünde konzentriert. Hierbei stellt sich insbesondere das Problem der Integration der Planungsaufgaben für das virtuelle Produktionsnetzwerk insgesamt und in den beteiligten Partnerunternehmen.

Inwiefern die in den vorangegangenen Beiträgen beschriebene Organisationsform des Produktionsnetzwerks dazu beitragen kann, neue wettbewerbsstrategische Optionen zu eröffnen, wird schließlich von Kaluza und Blecker (Kapitel 14) dargestellt. Angesichts immer kürzerer Produktlebenszyklen, dem zunehmenden Kostendruck sowie dem Verlangen der Kunden nach einem hohen Zusatznutzen ist in vielen Branchen der Übergang zu hybriden Strategieformen erforderlich, die alle Optionen effizient miteinander kombinieren können. Die Wettbewerbsstrategie der Dynamischen Produktdifferenzierung als Beispiel einer produktionsbasierten hybriden Strategie läßt sich im Rahmen klassischer Unternehmensstrukturen jedoch kaum mehr realisieren. Der Beitrag zeigt, wie die Teilnahme an Produktionsnetzwerken neue Handlungsoptionen für produzierende Unternehmen eröffnet, um diesen Herausforderungen zu begegnen
 

 
Die Beiträge dieses Kapitels
 
11 Produktion im Netzwerkverbund – Strategischer Faktor im globalen Wettbewerb
Klaus Bellmann
[Abstract / Autorenportrait]

12 Die Virtuelle Fabrik – Konzepte, Erfahrungen, Grenzen 
Günther Schuh und Thomas Friedli
[Abstract / Autorenportrait]

13 Organisation von virtuellen Produktionsnetzwerken
Marion Steven
[Abstract / Autorenportrait]

14 Dynamische Produktdifferenzierungsstrategie und Produktionsnetzwerke 
Bernd Kaluza und Thorsten Blecker
[Abstract / Autorenportrait]

 
 
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