Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Einführung in Teil B: 
VIRTUELLE ORGANISATIONSSTRUKTUREN IM INDUSTRIEBETRIEB
Im Zusammenhang mit den wirtschaftlich-organisationalen Auswirkungen der neuen IuK-Technologien werden immer wieder die Potentiale einer Virtualisierung der Unternehmen und entsprechender virtueller Unternehmensnetzwerke diskutiert. Gerade bei der Betrachtung von Industriebetrieben hat, wie Griese/Sieber (Kapitel 7) in ihrem Beitrag ausführen, diese Vorstellung einer materielosen, nur in der Vorstellung existenten Wertschöpfung einen besonderen Reiz – sind sie doch weder materielos noch existieren ihre Produkte nur in der Vorstellung. Die Beiträge dieses Teils befassen sich mit verschiedenen Aspekten und Konzepten der Virtualität und Modularisierung von Unternehmen und nehmen dabei im Gegensatz zu den Beiträgen in Teil C, die aus der Sichtweise des Produktionsbereichs heraus argumentieren, eine übergeordnete Perspektive ein.

Den Anfang machen Griese und Sieber (Kapitel 7), die anhand von Beispielen einige der wichtigsten Konzepte der Virtualität von Unternehmen erläuterm. Virtualität stellt keinen Selbstzweck dar, sondern soll den miteinander kooperierenden Unternehmen neue Formen von Wettbewerbsvorteilen in immer kompetitiveren Märkten bieten. Wichtige Potentiale sind neben einer Verringerung der Komplexität die deutliche Steigerung der Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit. Den neuen IuK-Technologien, allen voran das Internet, kommt dabei die wichtige Aufgabe zu, die beteiligten Akteure nicht nur zu koordinieren, sondern auch eine unternehmensübergreifende einheitliche Organisation zu schaffen.

Mit diesem Wechselspiel zwischen Technik und Organisation werden aber auch neue Rollen des Managements notwendig – ein Aspekt, den fast alle Autoren dieses Teils explizit betonen. Picot und Reichwald (Kapitel 8) untersuchen deshalb in ihrem Beitrag, welche neue Herausforderungen virtuelle Organisationsformen an die unternehmerische Führung stellen. Eine wesentliche Frage ist dabei die Wahl eines geeigneten Mittelwegs zwischen zentraler und dezentraler Koordination. Wenn auch den Ausgleich zwischen diesen Ebenen letztendlich nur eine ausgeprägte Vertrauensbasis der Netzwerkpartner schaffen kann, müssen zur effizienten Koordination und Organisation der beteiligten Akteure effiziente Controlling-Werkzeuge entwickelt werden.
Die Virtualisierung von Unternehmen entspricht aus einer intraorganisationalen, prozeßbezogenen Sichtweise einer Modularisierung der Wertkette, wie Gerpott/Böhm in Kapitel 9 ausführen. Ein konsequent ausgerichtetes modulares Unterehmen baut dabei auf der nicht-hierarchischen Koordination aller Module (Unternehmensteile) mittels einer horizontalen und extensiv durch IuK-Systeme unterstützten Abstimmung auf. Der Beitrag geht insbesondere der Fragestellung nach, wie adäquate IuK-Systeme gestaltet werden müssen, um die notwendigen Abstimmungsprozesse zu unterstützen. Dabei werden auch die Grenzen bzw. sinnvolle Ergänzungen heutiger IuK-Systeme betrachtet.

Specht/Kahmann/Siegler gehen in ihrem Beitrag abschließend auf die Frage ein, wie ein Unternehmen sich in ein bestehendes Unternehmensnetzwerk einbringen bzw. wie es bestehende Kooperationsbeziehungen effektiver nutzen kann. Eine wichtige Frage ist dabei die Klärung der organisatorischen, wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Netzwerks durch entsprechende Regelungen. Auch wenn diese Regelungen für stabile Kooperationsbeziehungen auf den ersten Blick erforderlich scheinen, stehen sie doch der organisationalen Flexibilität als wesentliches Potential und Hauptantriebsfaktor solcher Strukturen entgegen. Flexibilität oder / und Stabilität – diesen Widerspruch versuchen die Autoren in Kapitel 10 aufzulösen.
 

 
Die Beiträge dieses Kapitels
 
7 Virtualisierung von Industriebetrieben 
Joachim Griese und Pascal Sieber
[Abstract / Autorenportrait]
8 Führung in virtuellen Organisationsformen 
Arnold Picot und Ralf Reichwald
[Abstract / Autorenportrait]

9 Modulare Unternehmen – Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen zur Unterstützung intraorganisationaler Prozesse
Torsten J. Gerpott und Stephan Böhm
[Abstract / Autorenportrait]

10 Regelungsbedarf kooperativ verbundener Unternehme im Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Stabilität 
Dieter Specht, Joachim Kahmann und Oliver Siegler
[Abstract / Autorenportrait]

 
 
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