Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Organisation von virtuellen 
Produktionsnetzwerken
Virtuelle Produktionsnetzwerke sind eine Kooperationsform, durch die vor allem kleine und mittlere Unternehmen auf die durch zunehmende Globalisierung, Dynamisierung, Vernetzung und Individualisierung gekennzeichneten Herausforderungen der relevanten Märkte reagieren. Durch den zeitlich begrenzten Zusammenschluß in einer durch die Einbringung der jeweiligen Kernkompetenzen gekennzeichneten Wertschöpfungspartnerschaft werden von den beteiligten Unternehmen gemeinsam Marktpotentiale vor allem in den Bereichen Produktentwicklung und Fertigung erschlossen. 

Wesentlich für die Realisierung der Abläufe in einem virtuellen Produktionsnetzwerk ist die Unterstützung durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zur Überwindung von räumlichen und zeitlichen Distanzen. Eine Koordination der Beteiligten ist vor allem in den Bereichen Leistungsvereinbarung, Arbeitsverteilung und zeitliche Abstimmung erforderlich, wobei unterschiedliche ökonomische Koordinationsmechanismen aus dem Spannungsfeld zwischen rein marktlicher und hierarchischer Koordination zum Einsatz kommen.

Die bei der Produktionsplanung und -steuerung auftretenden Einzelprobleme entsprechen weitgehend denen bei der herkömmlichen auftragsbezogenen Einzel- und Kleinserienfertigung, wobei zwischen der Planung für das virtuelle Produktionsnetzwerk insgesamt und der Planung in den beteiligten Partnerunternehmen zu unterscheiden ist. Bei der Integration dieser Planungsaufgaben ist zusätzlich die aus der virtuellen Organisation resultierende erhebliche Komplexität zu berücksichtigen. Insgesamt stellen virtuelle Produktionsnetzwerke einen wegweisenden Ansatz für die Organisation der Fabrik der Zukunft dar, durch die die beteiligten Unterneh-men ihre globale Wettbewerbsfähigkeit erhalten bzw. steigern können.
 

 
Die Autorin

 
PROF. DR. MARION STEVEN 

promovierte und habilitierte sich an der Universität Bielefeld. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit an der Universität-GH Essen ist sie seit 1996 Inhaberin des Lehrstuhls für Angewandte Betriebswirtschaftslehre I, insbesondere Produktionswirtschaft, an der Ruhr–Universität Bochum. Ihre Forschungsschwerpunkte sind PPS-Konzepte, Virtuelle Unternehmen, die Fabrik der Zukunft, Umweltrechnungswesen und –berichterstattung, Umwelterklärungen sowie Produktion und Umweltschutz.

Homepage: http://www.ruhr-uni-bochum.de/prowi/main.htm
E-Mail: Marion.Steven@ruhr-uni-bochum.de
 

 
 
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