Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Die Virtuelle Fabrik
Konzepte, Erfahrungen, Grenzen
Das heutige Umfeld produzierender Unternehmen erfordert zunehmend eine neue Art der Flexibilität. Diese Flexibilität ist nicht im Alleingang, sondern nur durch Kooperationen erreichbar. Die Virtuelle Fabrik stellt eine neue Form der überbetrieblichen Zusammenarbeit dar. Um die Probleme traditioneller Kooperationen (gegensätzliche Interessen, Absorption von Managementkapazität, etc.) zu umgehen, wird bei der Virtuellen Fabrik in das Kooperationspotential in Form einer stabilen Plattform investiert. Aus dieser Plattform heraus bilden sich auftragsbezogen dynamische Netzwerke, die sich nach Abschluß des Auftrags wieder auflösen. 

Die Virtuelle Fabrik Euregio Bodensee stellt mittlerweile eine funktionsfähige Praxisform des Konzeptes der Virtuellen Fabrik dar. 25 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bilden dabei die stabile Plattform. Die Erfahrungen zeigen, daß neben dem Schaffen von Rahmenbedingungen in Form einer angemessenen Infrastruktur v.a. auch die Berücksichtigung des Faktors Mensch von überragender Bedeutung ist. Hierarchische Steuerungsmechanismen werden in der Virtuellen Fabrik durch Vertrauen substituiert, deshalb ist für eine erfolgreiche Implementierung des Konzeptes ein partizipativer Aufbau unter Einbezug aller beteiligten Partner von größter Bedeutung. 

Die Virtuelle Fabrik hat sich vom Vehikel zur Ermöglichung einer Restkapazitätenverwertung ständig weiterentwickelt und ist mittlerweile ein eigenständiges Konstrukt mit vielfältigen Facetten. Lernen von und miteinander, dynamische Positionierung und ein Ort zum Customizing neuartiger Leistungen sind unterdessen mindestens genauso wichtig geworden. Als zukünftige Entwicklung zeichnet sich ein vermehrt proaktives Auftreten der Virtuellen Fabrik am Markt ab. Die rasche auftragsbezogene Konfiguration Virtueller Fabriken wird um die proaktive Leistungsformung in Clustern ergänzt. Die Virtuelle Fabrik erweist sich immer mehr als Überlebenschance für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
 

 
Die Autoren

 
PROF. DR. GÜNTHER SCHUH

ist Extraordinarius für betriebswirtschaftliches Produktionsmanagement an der Universität St. Gallen (HSG) und Direktor des Instituts für Technologiemanagement (ITEM). Er studierte Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen und habilitierte 1993 an der Universität St. Gallen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Kostenmanagement, der Geschäftsprozeßgestaltung, dem Variantenmanagement und der Gestaltung von Produktionsnetzwerken. Prof. Schuh ist Präsident des Verwaltungsrates der GPS Gesellschaft für Produktstrukturierung und Systementwicklung AG in St. Gallen, Würselen und Atlanta/USA.

Homepage: Institut für Technologiemanagement (ITEM), St. Gallen
E-Mail: Guenther.Schuh@unisg.ch

LIC. OEC. HSG THOMAS FRIEDLI 

ist Forschungsassistent am Institut für Technologiemanagement (ITEM).
 

Homepage: Thomas Friedli, ITEM St. Gallen 
E-Mail:  Thomas.Friedli@unisg.ch

 
 
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