Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Modulare Unternehmen
Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen 
zur Unterstützung intraorganisationaler Prozesse

Das bei der technischen Gestaltung von Produkten seit langem genutzte Konzept der Modularisierung i.S. einer Strukturierung von Produkten in mehrere, in sich weitgehend abgeschlossene, einbau- oder kombinationsfähige und aus weiteren Untereinheiten bestehende Teilsysteme (= Module) mit definierter Funktionalität wurde in der jüngeren Vergangenheit häufiger von Betriebswirten mehr oder minder systematisch auch auf Probleme der Organisation von Unternehmen übertragen. Der vorliegende Beitrag arbeitet zunächst als Leitidee einer organisatorischen Modularisierung die prozeßorientierte Bildung teilautonomer bzw. sich weitgehend selbststeuernder, für definierte Vorgangsabschnitte verantwortlicher, überschaubarer und insgesamt kompatibler Einheiten innerhalb eines Unternehmens zur Erreichung von Komplexitätsverringerungs- und Flexibilitätssteigerungsvorteilen heraus.

Eine Analyse von fünf in den letzten Jahren propagierten Organisationskonzepten (z.B. Lean Management, modulare Fabrik, fraktales Unternehmen) offenbart, daß sie die Leitideen der organisatorischen Modularisierung zwar aufgreifen, aber zunächst zumeist auf Teilbereiche im Unternehmen beschränken und infolgedessen den zentralen Beitrag von Informations- und Kommunikations-(IuK-)Systemen zur horizontalen unternehmensweiten Modulkoordination allenfalls kursorisch aufzeigen. Eine unternehmensweite Anwendung der Leitidee der organisatorischen Modularisierung, also ein modulares Unternehmen, setzt aber gerade eine nicht-hierarchische Koordination aller Module mittels einer horizontalen und extensiv durch IuK-Systeme unterstützten Abstimmung von unternehmenszielkonformen Modul- und Schnittstellenfunktionen voraus. 

Daher wird in diesem Beitrag aufgezeigt, (1) welche Relevanz bestimmte Kommunikationssituationen (z.B. 1:1-Beziehungen) in modularen Unternehmen haben, (2) wie IuK-Systeme und die ihnen zugrundeliegenden technischen Infrastrukturen in verschiedenen Kommunikationssituationen Abstimmungsprozesse in modularen Unternehmen unterstützen können und müssen sowie (3) welche Grenzen bzw. Ergänzungen der Integrationsleistung von IuK-Systemen in modularen Unternehmen zu beachten bzw. sinnvoll sind.
 

 
Die Autoren

 
PROF. DR. TORSTEN J. GERPOTT 

studierte Betriebswirtschaftslehre und Angewandte Informatik an der Universität der Bundeswehr Hamburg. Er promovierte 1987 und habilitierte sich im Jahre 1993 an der Universität der Bundeswehr Hamburg. Seit 1994 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Planung und Organisation, Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft an der Gerhard-Mercator Universität Duisburg. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Wettbewerbsstrategien in TIME-Märkten, Technologie- und Innovationsmanagement und der Messung von Unternehmensintelligenz.

Homepage: Lehrstuhl für Planung und Organisation, Universität Duisburg
E-Mail: gerpott@uni-duisburg.de

DIPL.-WIRTSCH.-ING. STEPHAN BÖHM 

studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt und ist seit 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Gerpott. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten Unternehmensstrategien in Telekommunikationsmärkten, Preismanagement für Telekommunikationsdienstleistungen und F&E-/Innovationsmanagement.

Homepage: http://www.uni-duisburg.de/FB5/BWL/PUO/Personal/sb.html
E-Mail: sboehm@uni-duisburg.de

 
 
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