Produktionswirtschaft 2000

Perspektiven für die Fabrik der Zukunft

Produktion im Netzwerkverbund
Strategischer Faktor im globalen Wettbewerb
Veränderungen in der Unternehmensumwelt zwingen zu rascher und flexibler Anpassung einer Strategie oder zu deren Neudefinition, um die Unternehmensentwicklung nachhaltig zu sichern. Die Schnelligkeit und Häufigkeit marktlicher Veränderungen lenken den Blick hin auf die Gestaltung der geschäftstragenden Prozesse als Plattform zur Generierung von Unternehmenserfolg. Diese objektorientierte Sicht auf Prozesse fordert die ganzheitliche und unternehmensübergreifende Betrachtung aller Aktivitäten in einer Wertschöpfungskette.

Der Kausalkette „Wettbewerbsstrategie definiert Geschäftsprozesse, Geschäftsprozesse determinieren Organisationsstruktur“ folgend, werden drei Betrachtungsebenen gezogen und deren Objekte in ihrer Dependenz analysiert: Auf der Strategieebene stehen elementare und hybride Wettbewerbsstrategien im Kontext von Umweltbedingungen in Diskussion. Der Evolutionszyklus von Technologien in Korrespondenz mit Wettbewerbsstrategien ist auf der Prozeßebene Gegenstand der Untersuchung. Daraus resultieren letztlich auf der Organisationsebene Konsequenzen und Möglichkeiten koordinativer Gestaltung. In Hinführung auf Produktionsnetzwerke als interorganisationales Konstrukt werden vorwiegend diejenigen Prozesse, Strukturen und Relationen thematisiert, die für kooperative Interaktionen bedeutungsvoll sind. 

Weiterhin werden die Potentiale der Automatisierungs-, Informations- und Kommunikationstechnik als „enablers“ propagiert, die Unternehmen in Reaktion auf umweltbedingte Anforderungen zu innovativen Strategien und Prozessen befähigen. Anzuzweifeln ist jedoch, ob die häufig mechanistisch-konstruktivistisch ausgerichteten Gestaltungsansätze allein zielführend sind. Interaktion und Kommunikation in Netzwerkorganisationen fordern von Mitarbeitern insbesondere die Fähigkeit, in kompetitiver Kooperation zu entscheiden sowie Beziehungen mit internen und externen Kunden und Lieferanten auch außerhalb geschriebener Verträge zu entwickeln und mittels „hidden rules“ zu pflegen. Netzwerke konstituieren deshalb Handlungseinheiten sui generis, verkörpern jedoch keineswegs eine universelle Lösung für aktuelle betriebliche Probleme. Und es darf auch nicht übersehen werden, daß Netzwerkbeziehungen aufgrund von Ambiguität völlig neuartige Probleme aufwerfen können.
 

 
Der Autor

 
UNIV.-PROF. DR. KLAUS BELLMANN 

promovierte und habilitierte sich an der Universität Mannheim. Gegenwärtig hat er den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Produktionswirtschaft an der Universität Mainz inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Produktions- und Logistikmanagement, Industrielles Controlling, Qualitäts- und Umweltmanagement, Produktionsnetzwerke und Industrielle Forschung und Entwicklung.

Homepage: http://prod-org.bwl.uni-mainz.de
E-Mail: bellmann@prod-org.bwl.uni-mainz.de


 
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